Knüpfst Du schon neue Freundschaften oder verreist Du noch?

Mathematisch ist ein Standpunkt bekanntlich nichts anderes als ein Horizont mit einem unfassbar kleinen Radius. Irgendwo nahe Null. Eine Reise ans Ende des Verstandes führt innerhalb dieser Grenzen immerhin dazu, dass man auf jeden Fall weit vor dem Abendessen wieder zu Hause ist. Das ist doch auch schon was. Man kann nochmal schnell durchsaugen, die Blumen gießen oder in der Sportschau auch noch die Zusammenfassungen der dritten Liga sehen.

Es gibt eine Menge beneidenswert weit gereister Menschen. Sie können mit dem Stand ihres Meilenkontos beim Kranich mehrere Jahre problemlos ihr Wohnzimmer beheizen und gewinnen mit den Einreisestempeln ihres Passes spielend jedes Fernwehquartett. Der Neid lässt allerdings ganz schnell nach, wenn man erfährt, dass sie stolz darauf sind auf Kuba das einzige Hotel mit dem besten Wiener Schnitzel weit und breit „gefunden“ zu haben – gemeint ist Seite 23 im TUI-Katalog – oder auf Rhodos funkelnde Augen bekamen, als sie König Pilsener in Dosen im Sparmarkt in einem dieser schier unaussprechlichen Käffer irgendwo am Meer – gemeint ist Charaki – gleich mal für zwei Wochen auf Vorrat kauften. Mit „den Griechen“ hat man sich nicht unterhalten, denn die sprechen bestimmt genauso unverständlich, wie sie schreiben und „die Kubaner“ fahren zwar tolle alte Autos, aber sie sind bestimmt so unpünktlich, dass das am Ende vielleicht sogar ansteckend sein könnte. 

Natürlich war ich vorher auch schonmal im Urlaub. Meine erste echte Addition zum persönlichen Radius erlebte ich aber als Teil einer Hike-Gruppe. Im Sommerlager vor …uff Jahren, wenn nicht sogar mehr. Nach dem Mittagessen schnürten wir unsere Rucksäcke und Wanderschuhe, um nur wenige Stunden später durch wunderschöne hügelige Landschaft in den belgischen Sonnenuntergang hineinzuspazieren. Davon, dass da irgendwo mitten durch diese traumhafte Landschaft eine Grenze führte, erfuhren wir erst, als unser Leiter uns das abends am Lagerfeuer erzählte. Wenige Jahre später führte der Sommerlager-Hike dann von der Südpfalz aus nach Frankreich. Mit Französischkenntnissen, die den Tatbestand der ‚Beleidigung einer Sprache‘ locker erfüllten, kauften wir im örtlichen Supermarchée Grillfleisch, Baguette und Wein, fragten nach dem kürzesten Weg weg von jenem Truppenübungsplatz auf den wir uns aus Versehen „navigiert“ hatten und verbrachten die Nacht auf einer kleinen Wiese zwischen zwei Teichen.

Unsere mit amerikansichen Late Night Shows und Monty Python im O-Ton aufgebauten, recht sattelfesten Englischkenntnisse, unsere noch immer gruseligen Französischkenntnisse und die paar Brocken Spanisch, von denen man auch nicht so recht wusste, wo die jetzt herkamen, bringen uns auch in der Brex, in Westernohe oder in Rhens weiter. Itchy Feet – juckende Füße oder einfach Fernweh – kennt jede Pfadfinderin praktisch von dem Moment an, wo sie nach einem Lager wieder im heimischen Zimmer sitzt. Die Momente in denen man als völlig übernächtigter Pfadfinder die Musik ganz laut aufdreht und feststellt, dass das zwar auch laut ist und Musik heißt, aber eben nicht die gleiche Musik in den Ohren ist, wie das Grundgeräusch des letzten Pfingstwochenendes. Und dem Pfadfindenden Mutters Essen zwar vielleicht rein objektiv betrachtet besser schmeckt, als die Reispfanne von vorgestern. Trotzdem setzt man sich aber zunächst freiwillig in strömendem Regen auf die Terrasse und ertappt sich dann dabei kurz davor zu sein Mama zu fragen, ob sie ihr Essen nicht auch so mauerspachtelig hinbekommt, wie jene Reispfanne. Die von vorgestern in Westernohe, die zu lange auf dem Feuer war, weil das Küchenteam sich selbstverständlich kein Fußballspiel im Regen gegen den niederländischen Stamm von nebenan entgehen lässt. 

Jenes Fernweh, dass umso größer wird, wenn Begegnungen mit unserer anderen Hälfte jenseits des großen Teichs enden. Man den Pandas nach einem furchtbar schief, aber eben auch furchtbar ehrlich gesungenen Auld Lang Syne am Flughafen mit Tränen in den Augen verspricht, dass man sich in zwei Jahren wieder sieht. In Cochabamba. Und selbstverständlich mit astreinen Spanischkenntnissen.

Man kann eben verreisen oder man als Teil einer weltweiten Bewegung* Menschen kennenlernen, Kulturen erfahren und seinen Horizont gegen Unendlich laufen lassen.

Na, auch Fernweh? Auch gelangweilt von Bratwursturlaub auf Lanzarote? Dann komm am Georgstag – zufällig genau morgen (24. April) zu uns nach St. Michael und erfahre mehr über echte Völkerverständigung.

*Eine Bewegung, die 2007 übrigens für den Friedensnobelpreis nomiert war. Mit Al Gore hat dann immerhin der Ehemann einer Pfadfinderin – gemeint ist seine inzwischen-Ex-Frau Tipper Gore – den Preis erhalten 😉

von Philipp

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